Berufseinstieg
Jurist Unternehmensberatung

Als Jurist in die Unternehmensberatung

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Tobias Escherich
Aktualisiert am 
3.2.2025
5
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Das Wichtigste in Kürze:

  • Unternehmensberatungen stellen für Juristen eine interessante Karrierealternative gegenüber den klassischen juristischen Arbeitgebern dar.
  • Im Unterscheid zu Kanzleien und der Justiz achten Unternehmensberatungen wenig auf das Staatsexamen, stattdessen erfolgt die Auswahl und Einstellung über Assessment Center.
  • Die Arbeit in der Unternehmensberatung ist stark projektbasiert und dadurch sehr abwechslungsreich, aber auch mit vielen Reisen verbunden.

Was sind Unternehmensberatungen?

Unternehmensberatungen unterstützen Unternehmen bei jeglichen Problemen, die innerhalb eines Unternehmens auftauchen können. Ob es um den Markteintritt eines Produktes geht oder darum, einen unprofitablen Geschäftszweig zu restrukturieren, Unternehmensberatungen unterstützen Unternehmen dabei, Probleme zu lösen. Entsprechend sind die Aufgaben sehr divers. Unternehmensberatungen arbeiten typischerweise projektbasiert. Deshalb ist die Arbeit als Unternehmensberater sehr abwechslungsreich, da sich die Arbeit alle paar Monate ändert. Stark zusammengefasst handelt es sich deshalb bei Unternehmensberatungen um Body-Leasing von sehr motivierten und intelligenten Menschen. Außerdem wird durch Unternehmensberatungen Wissen innerhalb einer Branche weitergegeben. Wenn etwa ein Unternehmensberater schon viele Autohersteller beraten hat, kann er die jeweiligen Eindrücke und Vorgehensweisen weitergeben.

Es gibt sehr viele Unternehmensberatungen. Diese werden typischerweise folgenderweise kategorisiert.

  • Tier 1: Die drei bekanntesten und prestigereichsten Unternehmensberatungen sind McKinsey, Boston Consulting Group (BCG) und Bain. Zusammengenommen und abgekürzt spricht man von MBB.
  • Tier 2: Ebenfalls groß, aber weniger renommiert als die Tier 1-Beratungen sind die Beratungen aus der Tier 2, also Oliver Wyman, Roland Berger, Accenture, Strategy&, Kearney usw.
  • Boutiquen: Die Beratungen aus der 1. und 2. Tier beraten typischerweise in allen Branchen und überall auf der Welt. Im Gegensatz dazu gibt es noch viele kleinere Beratungen, die auf die Beratung in bestimmten Branchen oder Regionen spezialisiert sind.

Arbeit in der Unternehmensberatung

Die Arbeit in einer Unternehmensberatung ist – wie beschrieben – stark projektbasiert. Die Woche von Unternehmensberatern – jedenfalls bei den Tier 1 und Tier 2-Beratungen – ist stark standardisiert. Von Montag bis Donnerstag arbeiten Unternehmensberater vor Ort beim Kunden und leben dann in einem Hotel. Dabei beginnt der Tag am Montag sehr früh, da man zuerst zum Kunden fahren bzw. fliegen muss. Donnerstags abends fliegen bzw. fahren Unternehmensberater dann zurück in die Heimat. Am Freitag arbeiten Unternehmensberater dann am Heimatstandort. Das Wochenende ist bei Unternehmensberatern jedenfalls in den ersten Berufsjahren frei. Allerdings ist die Arbeitswoche selbst sehr anstrengend. Unter der Woche arbeiten Unternehmensberater häufig sehr lang. Entsprechend benötigen sie typischerweise mindestens einen Tag am Wochenende, um sich von der Arbeit zu erholen.  Je nach Marktlage haben Unternehmensberater mehr oder weniger Einfluss darauf, auf was für einem Projekt sie arbeiten. In schwierigen Marktlagen müssen Unternehmensberater das nehmen, was sie bekommen und haben entsprechend wenig Gestaltungsspielraum. In Boomzeiten können sich Unternehmensberater hingegen die Projekte aussuchen und können so gut Karriereschwerpunkte setzen. Dazu spezialisiert man sich im Laufe seiner Karriere. Wenn man beispielsweise mehrere Projekte in der Automobilindustrie betreut hat, wird es immer schwieriger, von dieser Branche loszukommen. Dadurch, dass sich Unternehmensberater allerdings teilweise die Projekte, auf denen sie arbeiten, nicht aussuchen können, kann es vorkommen, dass man sich auf eine Branche spezialisiert, ohne dies wirklich steuern zu können.   Die weiteren Aspekte sind für die Arbeit in einer Unternehmensberatung ebenfalls sehr wichtig:  

  • Gehalt: Als Volljurist sollte man allerdings wissen, dass die Gehälter in Unternehmensberatungen deutlich geringer sind als in Großkanzleien. Bei McKinsey und BCG liegt das Einstiegsgehalt ca. bei 80.000 Euro im Jahr. Das ist natürlich ein gutes Gehalt, verglichen zu Großkanzleien allerdings sehr niedrig. Wer allerdings als Volljurist bei einer Unternehmensberatung anfängt, steigt fängt mit dem Gehalt im 3. Berufsjahr an, sodass das Einstiegsgehalt ca. bei 100.000 € im Jahr liegt.
  • Karriere: Die Karriere in Unternehmensberatungen folgt einem recht strengen Up- or Out-Prinzip. Alle zwei bis drei Jahre wird man befördert, ist dies nicht der Fall, sollte man sich einen neuen Job suchen.  
  • Hierarchie: Auch die Hierarchie bei einer Beratung ist sehr ähnlich zu Anwaltskanzleien, es gibt Associates, Senior Associates, Junior Partner, Senior Partner usw.

Fähigkeiten in der Unternehmensberatung

Die Fähigkeiten, die Unternehmensberater mitbringen müssen, ergeben sich stark aus der täglichen Arbeit als Unternehmensberater. Nicht gefordert wird konkretes Fachwissen. Aufgrund der vielen verschiedenen Projekte wird nicht verlangt, über konkretes Wissen zu verfügen.  Stattdessen müssen Unternehmensberater folgende Fähigkeiten mitbringen:  

  • People: Im Gegensatz zu Anwälten in Großkanzleien oder Investment Bankern haben Unternehmensberater von Anfang an Mandantenkontakt. Das bedeutet nicht nur die Teilnahme an Besprechungen, sondern auch, Präsentationen beim Kunden zu halten usw. Entsprechend ist es essenziell, sicher und selbstbewusst präsentieren zu können.
  • Struktur: Auch Unternehmensberater kennen typischerweise nicht sofort die Lösung für das Problem des Mandanten. Dies wird auch nicht gefordert. Was allerdings die Kunden von Unternehmensberatern verlangen, ist eine Lösung für ein Problem zu entwickeln. Um die komplexen und bisher ungelösten Probleme zu lösen, ist es wichtig, sehr strukturiert vorzugehen und zu arbeiten. Dies bedeutet etwa, die Probleme stark zu fragmentieren und herauszuarbeiten, wo die Probleme „wirklich“ liegen.
  • Stressresilienz: Die Arbeit als Unternehmensberater ist sehr stressig. Insbesondere unter der Woche wird von Unternehmensberatern voller Einsatz verlangt. Dies kann zu kurzen Nächten und langen Arbeitstagen führen. Diesen Stress müssen Unternehmensberater aushalten (können).
  • Problemlösung: Zum einen müssen Unternehmensberater – wie beschrieben – hochkomplexe Probleme lösen. Dazu kommt, dass Unternehmensberater für die Problemlösung häufig nur wenig Zeit haben. Entsprechend müssen Unternehmensberater Probleme sehr schnell verstehen und einen entsprechenden 80/20 Ansatz entwickeln. Dazu kommt, dass Unternehmensberater es aushalten müssen, Entscheidungen in Ungewissheit zu treffen. Dadurch, dass Unternehmensberatern häufig nicht alle Informationen bekannt sind, müssen sie die Ungewissheit „aushalten“.

Berufseinstieg in der Unternehmensberatung

Unternehmensberatungen stellen Absolventen aus vielen verschiedenen Studiengängen ein. Entsprechend ist es auch für Juristen kein Problem, bei einer Unternehmensberatung anzufangen. Um bei einer Unternehmensberatung anzufangen, ist das Assessment Center die größte Herausforderung. Im Gegensatz zu Großkanzleien reicht Unternehmensberatungen ein gutes Examen für die Einstellung nicht aus.   Die Assessment Center bei Unternehmensberatungen sind sehr speziell und erfordern mehrere Wochen Vorbereitungszeit. Die größte Herausforderung im Assessment Center besteht in den Case Studies. Dabei bekommt man die Aufgabe, Probleme von Unternehmen zu lösen, die man anschließend vorstellen muss. Der genaue Aufbau der Auswahlgespräche variiert bei den einzelnen Unternehmensberatungen. Für die Vorbereitung auf die Auswahlgespräche sind die Internetseiten von (Prep-Lounge) und (Wiwi-Treff) sehr hilfreich, dort könnte Ihr Euch auch über die verschiedenen Besonderheiten der jeweiligen Unternehmensberatung informieren. Es ist sehr empfehlenswert, so viele Case Studies wie möglich zu lösen, um optimal vorbereitet zu sein. Dafür gibt es auf Wiwi-Treff die Möglichkeit, Lernpartner zu finden, mit denen man jeweils die Case Studies durchsprechen kann. Um an Case Studies zu kommen, ist etwa das Buch (Case in Point) sehr zu empfehlen.  Dazu werden Bewerber in den Bewerbungsgesprächen auch persönliche Fragen gestellt. Dabei werden nahezu immer die folgenden drei Fragen gestellt: Warum Beratung? Warum die konkrete Unternehmensberatung? Warum man selbst und nicht jemand anderes? Die Antwort auf diese Fragen sollte man vorbereiten und „runterbeten“ können. Um dies zu perfektionieren, bietet es sich etwa an, sich beim Beantworten der Fragen zu filmen, bis die Antworten perfekt sitzen.  

Unternehmensberatung nach dem 1. oder 2. Staatsexamen?

Für Juristen, die in die Unternehmensberatung wechseln möchten, stellt sich häufig die Frage, ob sie das Referendariat absolvieren sollen. Hierzu sollte man wissen, dass man die Fähigkeiten, die man im Referendariat erwirbt, in der Unternehmensberatung nicht benötigt. Dazu ist die Unternehmensberatung für Volljuristen jedenfalls ökonomisch wegen des niedrigeren Gehaltes uninteressant. Entsprechend gibt es einige Punkte, die dafürsprechen, direkt nach dem 1. Examen in die Unternehmensberatung zu wechseln.  Für das Ablegen des 2. Staatsexamens spricht allerdings, dass man erstens ein höheres Einstiegsgehalt erhält (s.o.), sofern das Referendariat als Berufserfahrung „angerechnet“ wird. Außerdem hat man dann stets die Möglichkeit, später zurück in die Kanzleiwelt zu kehren. Vor dem Hintergrund, dass viele Leute nur temporär in der Unternehmensberatung arbeiten, ein attraktives Back-Up.  Ob es also sinnvoll ist, das Referendariat zu absolvieren oder nicht, lässt sich nicht pauschal beantworten.

Häufig gestellte Fragen

Kann man mit Jura Unternehmensberater werden?
Unternehmensberatungen stellen auch Juristen ein, Unternehmensberatungen achten darauf, Berater aus vielen verschiedenen Branchen zu haben.
Was sollte man studieren, um Unternehmensberater zu werden?
Die meisten Unternehmensberater haben BWL studiert. Allerdings ist das Studium zweitrangig, um Unternehmensberater zu werden, da Unternehmensberatungen darauf achten, Berater aus verschiedenen Branchen zu haben.
Kann man als Jurist bei McKinsey anfangen?
McKinsey stellt auch Juristen als Unternehmensberater ein, entsprechend kann man als Jurist bei McKinsey anfangen.
Wie viel verdient man als Unternehmensberater?
Die großen Unternehmensberatungen (McKinsey, Bain, BCG) zahlen Einstiegsgehälter im Bereich von 80.000 € bis 110.000 € im Jahr.
Was genau macht ein Unternehmensberater?
Unternehmensberatungen unterstützen Unternehmen bei allen anfallenden Problemen. Unternehmensberatungen arbeiten dabei projektbasiert, sodass die Arbeit von Unternehmensberatern extrem divers ist.